Was macht ein Vieleinser den ganzen Tag?
Gast-Kolumne auf RealWWZ.ch
Da sieht man es wieder: Phil. I-Studierende sind faul, unproduktiv und zu nichts nutze. Wie anders ist es zu erklären,
dass diese Kolumne seit Wochen, ja, Monaten schläft und sich nicht wirklich etwas tut?
Selbstverständlich können wir dies aber, nach bester Phil. I-Manier, erschöpfend erklären:
Auch wir haben während des Semesters unglaublich viel zu tun. Man muss ja doch pro Tasse Kaffee mindestens mit einer
Viertelstunde reiner Trinkzeit rechnen; und meist trinkt man den Kaffee ja nicht alleine (gut, ich weiss nicht, wie das bei
Euch Wirtschaftsstudierenden ist; in meiner Wahrnehmung, welche selbstredend die einzig wahre ist, seid Ihr total asozial
und kontaktscheu, wir Phil. I-er jedenfalls trinken Kaffee nie alleine, sondern bevorzugt mit Angehörigen des jeweils
anderen Geschlechtes); zur bereits erwähnten Viertelstunde treten also noch mindestens dreiviertel Stunden mehr. Macht
summa summarum eine Stunde pro Kaffee; bei einem durchschnittlichen Input von 4 Tassen pro Tag sind bereits 4 Stunden
flöten gegangen. Hinzu kommen weitere drei bis vier Stunden am Abend, wo wir jeweils weiter trinken (allerdings eher
Getränke ohne Koffein); denn der typische Kaffee wird ja am Nachmittag getrunken, die Abende sind da noch nicht
mitgerechnet. Gewitzte Wirtschafts-Studierende, welche bis dahin aufgepasst haben, mögen jetzt vielleicht einwenden,
wo denn die Morgen bleiben. Morgen? Im Ernst? He, vergesst nicht, Ihr habt es mit Phil. I-Studierenden zu tun – unser
Tag beginnt so etwa um 12 oder 13 Uhr.
So also ist es passiert, dass diese Kolumne geschlafen hat. Wir sind schlicht nicht dazugekommen.
Wir geloben für die Zukunft aber selbstverständlich Besserung; schliesslich sind jetzt Semesterferien, pardon,
vorlesungsfreie Zeiten, und da kann ein Abend ruhig etwas länger dauern. Soll heissen: Wir gewinnen pro Tag eine
Stunde, das macht sieben die Woche, also vierzehn in zwei Wochen. Vierzehn Stunden nun müssten knapp reichen, um
diese Kolumne zu füllen – vierzehn Stunden qualvolles "Sich-die-Worte-aus-den-Finger-Saugen", vierzehn Stunden
"vor-dem-leeren-Monitor-Sitzen" (ja, habt Ihr denn im Ernst gedacht, wir schreiben noch mit Papier und Blei?), vierzehn
Stunden also, wo es uns wirklich ans Eingemachte geht – Wir Phil. I-Studierende sind ja nicht gerade bekannt dafür, viel
zu schreiben...
Anmerkungen für Nicht-Phil. I-er:
1. Studenten – Studierende: In der modernen Sprachwissenschaft werden geschlechterspezifische Bezeichnungen gerne
vermieden; um der nach Duden inkorrekten Doppelform mit Binnenmajuskeln, nach dem Schema StudentInnen, auszuweichen,
weicht man auf Partizipialkontruktionen aus.
2. Während verlangt den Genitiv.
3. Die subjektive Wahrnehmung jedes Phil. I-Studierenden ist in seiner subjektiven Wahrnehmung die einzig richtige.
4. Dieser Text macht extensiv Gebrauch von einer Stilform, welche sich Ironie nennt.