2000 - wars das oder wird alles besser?

Kommentar, gezetera online am 29. 12. 2000

Erwartet, herbeigesehnt, der Meilenstein, die Apokalypse, das Ende der Zeiten, der Anfang einer neuen Zeit: Das Jahr 2000 war so etwas wie ein magischer Wendepunkt für diese westliche Welt. Es wurde von Weltuntergängen gesprochen, von Ausserirdischen, von Naturkatastrophen, von einem Millenium-Bug. Die Wirklichkeit? Die Welt ist nicht untergegangen (oder vielleicht ist sie das schon lange, und wir haben es nur noch nicht gemerkt); die Ausserirdischen beobachten uns immer noch, nur gesehen haben wir sie auch im Jahr 2000 nicht. Der Millenium-Bug war eine Riesenenttäuschung, weil überhaupt nichts passiert ist.
Naturkatastrophen, ja, die waren da, und wie. Halb Oberitalien und das Wallis waren überschwemmt - Bilder, die wir aus "Ländern, weit entfernt von uns" (und die uns deshalb auch gar nicht betreffen) kennen, diese Bilder wurden uns plötzlich aus Gebieten vor unserer Haustür geliefert. Nature strikes back? Und trotzdem war der Umweltgipfel in Den Haag ein weiteres untrügliches Zeichen dafür, dass erstens niemand wirklich interessiert ist an Ökologie, und dass zweitens Geld mehr wert ist als frische Luft. Das lässt ja hoffen...
Aber nicht nur Naturgewalten im wörtlichen Sinn lassen die Menschheit je länger je mehr erzittern: Die drei Buchstaben BSE stehen für eine neue Art der Bedrohung, Seuchen, die mit einer erschreckenden Geschwindigkeit um sich greifen. Noch betreffen diese Seuchen vor allem Tiere - wie lange noch?
Das Jahr 2000 war aber auch das Jahr der New Economy - Menschen und Institutionen, die sich INTERNET auf ihre Fahne geschrieben haben, standen hoch im Kurs wie noch nie.
Und dennoch hat niemand begriffen, wie das mit BSE, Naturgewalten, Rechtsextremismus (noch so ein Thema 2000) und anderen Themenkreisen zusammenhängt. Das Zauberwort heisst einmal mehr "vernetzen", und einmal mehr hat die Verknüpfung und Vernetzung auch im magischen Jahr 2000 nicht stattgefunden, trotz Internet und New Economy. Auch in der Politik nicht; die US-Wahlen waren eine einzige Lachnummer, der Friedensprozess im Nahen Osten ist gefährdet wie seit 1967 nicht mehr, die Schweizer Politik hat sich auch 2000 im Kreis bewegt.
Es gibt immer Gründe, aufzugeben. Es ist immer einfach, zu beklagen. Deshalb schlage ich an dieser Stelle vor, das Jahr 2001 zum "Jahr des konstruktiven Diskurses" zu erklären. Sich einlassen, loslassen, denken, fühlen, vernetzen. Denn was bleibt, wenn nicht der Optimismus und die Gewissheit, dass wir noch lange nicht am Ende sind?

In diesem Sinne ein gutes neues Jahr!