Es ist soweit – der Schleier der Dunkelheit legt sich über unser Land. War der “Sonderfall Schweiz” lange Jahre ein Garant für Stabilität, Reichtum, Sicherheit und ein Synonym für ein Land, welches humanitäre Traditionen begründete und aufrechterhielt, wo sich auch Minderheiten wohlfühlen durften, so ist am heutigen 29. November 2009 ein Schlussstrich darunter gezogen worden.
20 Jahre nach dem Fall der Mauer, nach dem Wegfall des Feindbildes “rot”, ist das neue Feindbild nun etabliert: Es ist die diffuse Vorstellung vom “Islam” – von einer fremden Kultur, welche, will man den einschlägigen Kreisen glauben, langsam, aber sicher unsere Wertsysteme unterwandert.
Der heutige Tag ist aber nicht nur ein Kniefall vor reaktionären Kräften, welche nicht müde werden, als einzige Heilvorstellung den kompletten Alleingang und die komplette Abschottung der Schweiz zu predigen, sondern er ist eine endgültige Verabschiedung vor der humanitären Schweiz, welche offen für andere ist und sich gleichzeitig für Frieden in der Welt einsetzt.
Gute Nacht, Schweiz. Wir haben 2001 erlebt, wie ein undurchdringlicher Filz von Politik und Wirtschaft Unsummen für die Rettung des angeblichen Nationalsymbols “Swissair” ausgegeben haben – damit diese identitätsstiftende Institution nicht den bösen grossen Nachbarn im Norden anheimfielen; und doch geschah ebendies später doch – aber was daran so schlimm sein soll, bleibt unklar.
Über die Aufarbeitung unserer Vergangenheit im 2. Weltkrieg bis hin zur Finanzkrise – all die satten Pfründe der letzten Jahrzehnte konnte den Wegfall der Mythen, welche den Rückgrat des schweizer Nationalstolzes begründete, nicht retten.
Mit dem Fall UBS, dem Steuerstreit mit den USA, dem Streit mit Lybien sind weitere Mythen dekonstruiert worden – und dem erwähnten Filz weiterer Boden unter den Füssen weggezogen worden. Mit der Annahme des Verbotes von Minaretten (und der Ablehnung von Kriegsmaterial-Export) hat sich nun die Wut des Schweizer Volkes entfacht – entflammt von jenen rechtsreaktionären Kräften, die überwunden schienen.
Ohne die Hilfe von aussen ist der weitere Weg aufs Abstellgleis und die volle Fahrt kopfvoran in die Wand vorprogrammiert. Gute Nacht, Schweiz.













