Nachdem viel über Anstand, Sitte und Moral in Unternehmen zu hören ist – vergleiche die Diskussionen um Boni, Dan Vasellas Gehalt, aber auch die Abzocker-Initiative, gehen manchmal andere, ebenso wichtige und ebenso moralische Entscheidungen einzelner Unternehmen vergessen.
Anfang Januar hat der Computerhersteller Dell angekündigt, “die Produktion von Irland nach Polen zu verschieben”. Was bedeutet das?
Die Fabrik nahe Limerick wurde vor 18 Jahren eröffnet – gerade in der Zeit, als der wirtschaftliche Boom in dem damals von der EU massiv subventionierten Irland begann. Dell hat von zahlreichen Vorteilen profitiert – niedrige Steuern, Ankurbelungs-Programme für die irische Wirtschaft, relativ niedrige Lohnkosten usw.
in der Zwischenzeit hat Irland zumindest wirtschaftlich aufgeholt (was das im Übrigen für Landschaft, Land und Leute bedeutet, sei dahingstellt – der Terminus “Aufholen” ist hier wahrscheinlich ziemlich deplatziert…). Im Jahre 2009 ist Polen in der Situation, in welcher Irland vor 18 Jahren war. Niedrige Lohnkosten, wirtschaftlich noch “zu erschliessen”, massiv von der EU subventioniert… In diesem Zusammenhang ist also die Verlagerung zu sehen – Dell reist einfach den EU-Subventionen hinterher.
Diese Wirtschaftspolitik ist derart verwerflich, dass es eigentlich nicht lohnt, mehr Worte darüber zu verlieren. Der Faktor “Mensch” zählt in solchem Verhalten überhaupt nicht mehr, und wohin Profitgier und wahnsinniger Ideologien à la Milton Friedman (“Das Gewinnstreben ist das Wesen der Demokratie”) führen, zeigen aktuelle Beispiele rund um den Finanzsektor, die amerikanische Autoindustrie und weitere Beispiele zur Genüge. Und wenn Dell dann auch noch davon spricht, dass die irischen Arbeiter mit “Würde” behandelt würden, der Entscheid schwierig sei, aber notwendig um “greater customer value” zu erreichen, dann ist das des Zynismus höchsten Grades.













